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StaR WaRS, WELtRauMMüLL unD FLügE zuM MaRS:
Dr. Lars-Christian sChanz
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LuFt- unD RauMFahRt unD ERkLäRt, WaRuM DIE FüR unSEREn aLLtag So WIchtIg ISt
interview geführt von Katerina anKerhold
Normale Menschen haben Fotos der Familie in ihrem Büro. Dazu vielleicht eine Erinnerung an sportliche Erfolge. Bei Dr. Lars-Christian Schanz stehen Raketen auf der Fensterbank. Der Leiter
der wissenschaftlich-technischen Infrastruktur des Instituts für Raumfahrtsysteme im DLR Bremen spricht im Inter- view über die Aufgaben der Weltraum-Müllabfuhr, den Wis- senstransfer aus dem All und die Zerstörung der Erde.
Herr Schanz, wenn übermorgen im Kino der neue Star-Wars-Film läuft – gehen Sie rein?
Natürlich! Mit meinem Sohn.
Sie sind also auch ganz persönlich Weltraumfan ...
Klar! Das liegt wohl daran, dass ich groß geworden bin, als das Thema in der Gesellschaft einen höheren Stellenwert hatte. Zwischen den ersten bemannten Flügen der Amerika- ner und der ersten Mondlandung lagen nur zehn Jahre. Eine unglaubliche Leistung, die sich in allen Formen der Kultur widerspiegelte – in der Musik, der Kunst, in Filmen ...
Ein Job im DLR bedeutet aber nicht, dass man auch selbst eines Tages ins All  iegt.
Irgendwann an einer Mission teilzunehmen, ist für viele hier ein Wunschziel. Aber das ist eine Lotterie. Neben der Qua- li kation ist es häu g eine politische Entscheidung. Gerade war Deutschland dran, jetzt ist es ein anderes Land der euro- päischen Weltraumorganisation ESA.
Wir Außenstehende denken bei Raumfahrt an die spektakulären Dinge: ISS, Philaes Landemanöver, der Mars-Rover.Was davon machen Sie montags als erstes?
Nichts von alledem, aber ich freue mich jeden Morgen auf meinen Job. Die Aufgabe und unser Team sind toll. Selbst Kollegen, die längst in Rente sind, freuen sich wie Kinder, wenn sie die ersten Ergebnisse einer Mission erhalten.Auch die Kollegen aus dem administrativen Bereich begeistern sich für die Raumfahrt.Wir sind wie eine große Familie.
Wir haben einige Fragen vorbereitet. Was stimmt, kriegt eine Eins, was falsch ist, eine Sechs. Bereit? Bereit!
In den nächsten zehn Jahren werden wir eine interna- tionale Weltraum-Müllabfuhr ins Leben rufen.
„Einmal ins All zu fliegen, ist für viele hier ein Wunschziel. Aber das ist eine Lotterie.“
dr. lars-christian schanz
Eine Eins.Wir arbeiten an einer Vorstufe für ein System aus zwei Satelliten: Der eine stellt das Ziel dar und der andere fängt den ersten mit einem Fangarm ein. So werden Satel- liten, die nicht mehr in Betrieb sind, zum Absturz gebracht.
Um die 700000 Trümmerteile im Orbit fortzuschaf- fen, schießen wir mit Lasern auf den Weltraummüll. Laser sind eine tolle Anwendung. Aber das Problem ist, dass die Teile verdampfen, der Dampf kondensiert und Teilchen bildet – meist aus Metall – die dann wieder herum iegen.
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Karl Magazin
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Foto: Michael Bode


































































































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