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28 Karl Magazin
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LEAN PRODUCTION
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TexT Ulf tietge
ie Theorie ist herrlich. Eine Gruppe Werker, ein ganzer Raum voll Kreativität und ein Berg von Pappkartons. Dazu ein Rudel Dachlatten, etwas Zeit und natürlich die motivierenden Worte des jungen Unternehmensberaters mit
seinen vielen Grundsatz-Folien zum Thema Lean Produc- tion. Drei, vier Tage vielleicht - dann haben die Werker den perfekten Arbeitsplatz ersonnen! Geklebt und improvisiert, ziemlich windschief und - um mal ganz ehrlich zu sein - leider auch nicht ausgetestet. Denn wirklich etwas montie- ren lässt sich auf Cardboard-Modellen natürlich nur bedingt. Und wie man es mit der ESD-Sicherheit halten soll, das Pro- blem kann man ja später immer noch angehen ...
Nicht erfiNdeN,was es schoN gibt
An dieser Stelle kommt jetzt Uwe Kaldowski ins Spiel. Er ist Produktionsleiter bei Sirona und im Werk Bensheim für die gute Arbeit von rund 130 Werkern verantwortlich. Und be- vor wir uns falsch verstehen: Uwe Kaldowski ist kein Card- board-Gegner. Ganz im Gegenteil. Aber er hat mit seinen Leuten die Methode weiterentwickelt und um Erfahrungen aus der Praxis ergänzt.
Kaldowski: „Als wir das Thema Lean Production für uns entdeckt haben, galten Arbeitsplätze aus Aluminiumpro len plötzlich als das Maß aller Dinge. Und jeder Platz sollte un-
bedingt von Grund auf neu erfunden werden! Das wollten die Berater sehen. ‚Alles neu, alles anders‘.“
Also hat man sich auch bei Sirona ins stille Kämmerlein zurückgezogen. Sie wissen schon: Dachlatten, Pappkartons. „Natürlich macht es viel mehr Spaß, wenn man gruppen- dynamisch etwas baut, statt sich einfach nur Zeichnungen anzugucken und diese herumgehen zu lassen“, sagt Kaldow- ski. „Aber wir haben auch schnell gemerkt, wieviel Zeit wir damit vergeuden, Dinge vermeintlich neu zu entwickeln, die es schon gab.“ Die Cardboard-Methode zielt darauf ab, das von den Werkern geschaffene 1:1-Modell mit Alumini- umpro len nachzubauen. Dafür kommt ein Dienstleister, nimmt Maß und schraubt aus Alu zusammen, was bis dahin aus Holz und Pappe war. Erst dann kann man den neuen Arbeitsplatz wirklich testen. Ob von den Abständen her alles gepasst hat und ob die Umsetzung des Arbeitsplatzmodells wirklich dem Stand der Wissenschaft in Sachen Ergonomie und Arbeitssicherheit entspricht – man weiß es nicht.
„Gegen die Idee von Lean Production kann man sich nicht stellen“, sagt Kaldowski. „Das habe ich auch den Her- ren Karl gesagt, als das Thema in der Industrie langsam auf- kam und so mancher Unternehmensberater die Augenbrau- en hochzog, wenn man standardisierte Arbeitsplätze in der Fertigung stehen hatte: Für Unternehmen wie Karl kommt es darauf an, Themen wie Modularität, Individualität und


































































































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