Die CNC-Steuerung und Antriebselektronik von Sieb & Meyer gelten als das Nonplusultra, wenn es darum geht, Lieferpaletten für die Elektroindustrie zu Bearbeiten. Kaum eine Lieferpalette, die nicht mit Technik des Lüneburger Unternehmens gefertigt wird. Die Baugruppen von Sieb & Meyer entstehen unter anderem an Sintro-Tischen von Karl.

Was sind die entscheidenden Einflussfaktoren einer erfolgreichen Unternehmensgründung? Der bekannte US-amerikanische Start-up-Förderer Bill Gross hat mehr als einhundert Gründungen intensiv begleitet und kommt zum Schluss: Selbst die beste Geschäftsidee wird scheitern, wenn das Timing nicht stimmt. Mit seinem Angebot zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das sei der wahre Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg. Ein gutes Beispiel dafür ist der Lüneburger Industrieelektronik- Hersteller Sieb & Meyer, in dessen Fertigung rund 35 Sintro-Tische von Karl im Einsatz sind.

Anfang der 1960er-Jahre, Durchbruch der Halbleitertechnologie. Auf Leiterplatten aufgebaute integrierte Schaltkreise lösen die bislang führende Röhrenelektronik als Schlüsseltechnologie in der Elektrotechnik ab. Der Trend zur Miniaturisierung von elektronischen Bauteilen ist eingeleitet. Mikroprozessoren mit nie gekannter Rechenleistung werden entwickelt, die Speicherkapazitäten wachsen stetig. Gordon Moore formuliert das Moore’sche Gesetz. Ein neuer Markt entsteht, sein Potenzial: riesig. Deshalb gilt es jetzt schnell zu sein. Denn nur wer frühzeitig seine Nische findet, wird belohnt. Reinhard Sieb und Johannes Meyer packen die Gelegenheit beim Schopf. Mit ihrem kleinen und flexiblen Entwicklerteam sind sie in der Lage, wesentlich schneller als die meisten anderen auf die sich rasant wandelnden technologischen Anforderungen zu reagieren. Das zahlt sich aus. Sieb & Meyers programmierbare Steuerung für Leiterplattenbohrmaschinen entwickelt sich zum Erfolgsprodukt – und bildet bis heute die Basis für den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens.

WELTWEIT FÜHREND

Schon zwei Jahre nach der Firmengründung verlegte Sieb & Meyer seinen Stammsitz nach Lüneburg. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 220 Mitarbeiter. Vom Mut der Gründer als First Mover in einen gänzlich neuen Markt einzutreten, profitiert Sieb & Meyer nach wie vor. Das Unternehmen gilt als einer der weltweit führenden Hersteller von CNC-Steuerungen zum Bohren, Fräsen und Ritzen von Leiterplatten, Frequenzumrichtern für Hochgeschwindigkeitsmotoren und -generatoren sowie Servoverstärkern für verschiedene Antriebe. Sieb & Meyer- Produkte kommen zum Beispiel in Industrierobotern, in der Schraubtechnik sowie im Werkzeug- und Sondermaschinenbau zum Einsatz. Viele der Leiterplatten, die in den Werkzeugmaschinen bearbeitet werden, finden sich  später in Gebrauchselektronik wieder, zum Beispiel in Digitalkameras, Handys oder Fernsehern. Als das Nonplusultra in der Leiterplattenbearbeitung gelten die CNC-Steuerungen von Sieb & Meyer aufgrund der Schnelligkeit und Genauigkeit, die mit den Steuerungen erreicht werden kann. „Die Bohrspindeln, die unsere CNC-Steuerungen antreiben, drehen sich mit bis zu 480 000 Umdrehungen pro Minute“, sagt Fertigungsleiter

Thorsten Berg, der seit 1998 im Unternehmen ist. Das ist ein absoluter Spitzenwert. „Auf dem kleinen Nischenmarkt, in dem wir uns bewegen, sind wir auch deshalb sehr gut vertreten“, sagt Thorsten Berg. „Nur wenige Maschinenhersteller entwickeln und stellen ihre Steuerung selbst her. Die anderen Hersteller setzen unsere ein.“

GRÖSSTMÖGLICHE FLEXIBILITÄT

Die Kunden von Sieb & Meyer sind größtenteils Werkzeugmaschinenhersteller. Die wichtigsten Absatzmärkte sind China und Taiwan, dort wo die CNC-Steuerungen verkauft werden. Nur die Frequenzumrichter und Servoverstärker kommen hauptsächlich in Europa zum Einsatz. „Was uns auszeichnet, ist, dass wir es immer geschafft haben, uns den Gegebenheiten anzupassen und mit dem Markt zu gehen“, sagt Thorsten Berg. „Früher haben wir die CNCSteuerungen vor allem in die USA geliefert, jetzt ist es eben Asien.“ Doch die neue Marktsituation hat die Spielregeln verändert. Klar, die zunehmend globale Weltwirtschaft hat Unternehmen wie Sieb & Meyer neue Märkte eröffnet, stellt sie zugleich aber auch vor große Herausforderungen. Konkret heißt das vor allem: Der Preisdruck ist gestiegen, und damit auch die Erwartungen an die Produktivität. Sieb & Meyer hilft seinen Kunden deshalb mit individuellem Service, diese zu steigern. „Von kleineren Anfragen bis hin zur Entwicklung ganzer Geräte arbeiten wir oft kundenspezifisch“, sagt Thorsten Berg. „Andere bieten Produkte von der Stange. Wir setzen auch komplexe Kundenwünsche individuell um. “ Von Sieb & Meyer fordert diese Firmenphilosophie auch in der Produktion größtmögliche Flexibilität. Seit 2007 arbeitet die Fertigung deshalb an Sintro-Arbeitsplätzen von Karl. „Wir haben damals neue Arbeitstische gesucht und die Produkte der verschiedenen Hersteller miteinander verglichen“, sagt Thorsten Berg. „Aufgrund ihrer Variabilität und Flexibilität haben wir uns für die Sintro-Tische von Karl entschieden. Wir sind damit sehr gut gefahren und deshalb dabeigeblieben.“ Und das aus gutem Grund: Alle Sintro-Arbeitsplätze sind bei Sieb & Meyer zwar in der Fertigung im Einsatz und standardmäßig mit TFT- und PC-Monitorhalterungen, Griffschalen, Beleuchtung und höhenverstellbar ausgestattet. Doch, auch wenn an diesen Arbeitsplätzen gelötet, bestückt und montiert wird, benötigt nicht jeder Arbeitsplatz die exakt gleichen Zusatzfeatures. Denn die einzelnen Arbeitsschritte unterscheiden sich zumindest graduell voneinander. „Genau aus diesem Grund setzen wir auf das Baukastensystem von Karl“, sagt Thorsten Berg. „Die Arbeitsplatzsysteme von Karl bieten uns den nötigen Spielraum, unsere Produktion am aktuellen Bedarf auszurichten.“